90 Jahre Synagoge Reichenbachstraße – das historische Baudenkmal wird saniert

Die Synagoge zu Beginn der Bauarbeiten, Foto: © Thomas Dashuber

Die Synagoge Reichenbachstraße feiert dieses Jahr ihr 90-jähriges Bestehen und war über viele Jahre ein beinahe vergessenes Baudenkmal mitten im lebendigen Gärtnerplatzviertel. Der leerstehende Bau im Rückgebäude der Reichenbachstraße 27 wird derzeit umfangreich saniert und in ursprünglichen Zustand von 1931 zurückgebaut. Das Jüdische Museum München bietet ab 13. Oktober Baustellenbesichtigungen an und stellt anhand einer Audio- und Filminstallation die Stadtteil- und Baugeschichte näher vor. 

Vieles ist in Bewegung gekommen, das Sanierungsvorhaben der seit 2006 leerstehenden Synagoge im Hinterhof der Reichenbachstraße 27 ist in vollem Gange und nun, wo der Teppich, der Betpult, die Bänke rausgeräumt sind, der Raum nackt und mit all seinen witterungsbedingten Schrammen vor uns liegt, beginnt sich die Phantasie tatsächlich ihren Raum nehmen zu können. Die Vision von Rachel Salamander, die sich seit 2013 gemeinsam mit Ron C. Jakubowicz mit dem Verein „Synagoge Reichenbachstraße e.V.“ dafür einsetzt, die Bausubstanz der Synagoge zu retten und sie in ihre ursprüngliche Form von 1931 zurückzubauen, gewinnt immer mehr an Form und Farbe. Es ist ein imposanter Bau, der den Ideen der „Neuen Sachlichkeit“ verpflichtet ist und vom Architekten Gustav Meyerstein 1931 für die meist osteuropäischen Zugewanderten der umliegenden Isarvorstadt errichtet wurde. 

Die „Reichenbachschul“ war neben der liberal-konservativen Hauptsynagoge in der Herzog-Max-Straße und der orthodoxen Synagoge in der Herzog-Rudolf-Straße einer von drei großen Synagogenbauten in München und der letzte neu errichtete sakrale Bau Münchens vor 1933. Während des Novemberpogroms, in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, verwüsteten Nationalsozialisten auch diese Synagoge. Das Feuer wurde jedoch wegen der Gefahr für die umliegenden Gebäude gleich wieder gelöscht, aber die Synagoge in den darauffolgenden Jahren zweckentfremdet genutzt. 1947 konnte die Jüdische Gemeinde, die zu dem Zeitpunkt aus Überlebenden der Schoa – meist aus Osteuropa – bestand, die Synagoge wieder einweihen, und sie wurde zur Hauptsynagoge der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, bis zum Umzug in die neue Hauptsynagoge am St.-Jakobs-Platz im Jahr 2006.  Schnell begann die Witterung an dem nun leerstehenden Gotteshaus zu zerren und die Synagoge zerfiel rasch, vor allem das undichte Dach führte zu erheblichen Schäden am Gebäude. 

Die zukünftige Ausgestaltung der Synagoge Reichenbachstraße, Simulation: © Christoph Sattler

Der Verein „Synagoge Reichenbachstraße e.V.“ setzt sich seither für die Wiederinstandsetzung und den Rückbau in den originalen Zustand von 1931 ein. Bis dahin ist es noch ein langer Weg, aber wichtige Etappen sind geschafft, die Baustelle nimmt – auch verzögert durch Corona – immer mehr an Fahrt auf, wichtige Finanzierungsfragen sind geklärt, und so hofft der Verein in naher Zukunft diesen für die Stadtgeschichte und die jüdische Kultur Münchens so zentralen Bau im neuen Schein, dem alten Glanz verpflichtet, wiedereröffnen zu können. Die interessierte Öffentlichkeit hat nun für einige Wochen die Möglichkeit, die Synagoge bei geführten Baustellenrundgängen zu besichtigen. Eine Audio- und Filminstallation, die der Verein Synagoge Reichenbachstraße e.V. gemeinsam mit dem Staatsministerium für Unterricht und Kultus und dem Jüdischen Museum München erarbeitet hat, gibt Auskunft über die Bau- und Stadtteilgeschichte, kombiniert mit persönlichen Erinnerungen.

Informationen zu den Baustellenrundgängen und Termine finden Sie auf unserer Website.

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