Die Geschichte Deines Lebens. Von Anna und Paulus Kaufmann



Marylka Bender-Kellerer als Schulkind, © Foto: privat

Früher glaubten viele Leute, dass Tiere dümmer sind als Menschen. Viele dachten, der Mensch sei die Krone der Schöpfung und nur die Menschen hätten Verstand. Heute wissen wir, dass Tiere auch sehr schlau sein können. Einige Tiere können rechnen, manche Tierarten haben ihre eigene Sprache und die klugen Krähen stellen sogar Werkzeuge her. Trotzdem gibt es natürlich Dinge, die nur wir Menschen können. Nur Menschen schreiben Bücher, nur Menschen malen Bilder und nur Menschen erzählen sich, was sie in ihrem Leben erlebt haben. Die Geschichten aus unserem Leben sind für uns Menschen sogar besonders wichtig: Wir sind stolz auf Sachen, die wir geschafft und gelernt haben. Wir sind manchmal noch traurig über Dinge, die schon lange her sind. Und manchmal freuen wir uns, wenn wir an den schönen Urlaub im letzten Jahr denken. Deshalb lässt sich sagen: Um einen Menschen zu verstehen ist es wichtig, seine oder ihre Geschichte zu kennen.

Stellt Euch mal vor, ein neues Kind kommt in Eure Klasse. Erst wisst Ihr gar nichts über sie oder ihn und vielleicht wundert Ihr Euch, warum das Kind so einen seltsamen Namen hat. Oder warum es einige Sachen ganz anders macht als Ihr. So hat das z.B. ein Mädchen hier in München erlebt. Dieses Mädchen heißt Marylka Bender. Als das Mädchen in die neue Schule kommt, sagt die Lehrerin als erstes: „Marylka, was ist das denn für ein Name? Den Namen gibt es doch gar nicht. Du heißt jetzt Maria.“ Was die Lehrerin aber nicht wusste, ist, dass Marylka in Polen geboren worden ist und Jüdin war. In Polen spricht man Polnisch und da ist der Name Marylka ganz normal. Hätte die Lehrerin die Geschichte von Marylka gekannt, hätte sie vielleicht besser verstanden, dass man Marylka nicht einfach Maria nennen sollte. Vielleicht kennt Ihr auch solche Geschichten: Erst wundern wir uns, warum ein Mensch ganz anders ist als wir. Und dann hören wir die Geschichte dieses Menschen und verstehen plötzlich besser, warum er oder sie so ist. Und vielleicht geht es anderen Menschen manchmal genauso, wenn sie uns kennenlernen?

Es ist also wichtig, dass wir andere Menschen nach ihren Geschichten fragen. Und es ist wichtig, dass wir anderen Menschen unsere Geschichte erzählen. Und das wollen wir heute auch machen: Erzählt Eure Lebensgeschichten! Weil es manchmal ein bisschen langweilig ist, alles nur zu erzählen oder aufzuschreiben, wollen wir Eure Geschichten zeichnen und einen Comic daraus machen.

Diese Bilder hat Marylka Bender-Kellerer als Kind gezeichnet, © Abbildung: privat

Natürlich habt Ihr schon viel erlebt und könnt nicht Eure ganze Lebensgeschichte erzählen. Deshalb machen wir es kompakter: Ihr könnt zu jedem Jahr eures Lebens eine Comic-Seite gestalten. Vielleicht gibt es in jedem Jahr ein Ereignis, das besonders wichtig war: Vielleicht seid Ihr in die Schule gekommen; oder Ihr habt einen neuen Freund kennengelernt; oder Eure Schwester ist geboren worden; oder Ihr hattet eine doofe Krankheit. Und dann gibt es sicher noch ein paar andere Ereignisse in jedem Jahr, die auch wichtig waren, aber vielleicht nicht ganz so wichtig: Ihr hattet einen tollen Urlaub oder habt einen neuen Sport angefangen. Hierfür haben wir Comic-Seiten vorbereitet, die ein großes Feld und drei kleine Felder haben. (Comic-Zeichner nennen diese Felder übrigens „Panels“.) Da könnt Ihr Eure größeren und kleineren Erlebnisse hinein zeichnen. Ihr könnt aber natürlich auch eine kleine Geschichte über mehrere Panels erzählen. Wie Ihr möchtet!

So sieht unser Comic-Heft aus, © Foto: privat

Wenn Ihr alle Felder gefüllt habt, habt Ihr schon einen ziemlich dicken Comic. Dieser Comic erzählt dann Eure Lebensgeschichte. 

Hier gibt es das vorbereitete Comicheft zum Herunterladen: Das Cover mit Anregungen für die Themen Eurer Lebensgeschichte und die Comicseiten. Die Comic-Seiten könnt Ihr so oft ausdrucken, wie Ihr wollt.

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