New Yorker Spitze in einem vergessenen Münchner Schaufenster

Ausstellung „Spitzenhaus Rosa Klauber“ im Studienraum des Jüdischen Museum München, Foto: Eva Jünger, © JMM

In unserer aktuellen Studienraumausstellung wird die Museumsvitrine zum Schaufenster. Darin zu sehen ist die Geschichte eines heute fast vergessenen Münchner Unternehmens neben aktueller Spitze aus New York.

Die Idee zur Ausstellung „Spitzenhaus Rosa Klauber“ entstand während der Arbeit an der Edition der Briefe Kurt Landauers, in denen die Familie Klauber eine besondere Rolle spielt: Maria Klopfer, geborene Klauber, und ihre Familie halfen Landauer 1939 bei seiner Emigration und sicherten sein Überleben im Genfer Exil. Eine lebenslange Freundschaft verband Landauer mit der Familie Klauber-Klopfer. Wir erfuhren, dass Marias Brüder ein Spitzengeschäft und eine Wäschefabrik betrieben, bis sie beides im Herbst 1938 an nicht-jüdische Inhaber verkaufen und München verlassen mussten. Die Familie emigrierte nach New York und baute dort ein neues Unternehmen auf, das bis heute besteht. Wie eine Urenkelin Ernst Klaubers 2013 bloggte, schaut die Familie heute zurück auf „Six Generations of Luck and Lace“ – „Glück“, weil es ihrem Urgroßvater noch in letzter Minute gelang mit seiner Familie aus Deutschland zu fliehen und sich in den USA eine neue Existenz aufzubauen. Es entstand die Idee einer Ausstellung, die beides zeigt: Auf der einen Seite die Dokumentation des Münchner Spitzenhauses und auf der anderen Seite aktuelle Spitzen aus New York.

Gegründet wurde das Münchner Spitzenhaus von Rosa Klauber aus Böhmen. Im Mai 1860 kam sie zum ersten Mal auf die Auer Dult, wo sie an einem Marktstand handgefertigte Böhmische Spitzen verkaufte. 1872, ein Jahr nach der gesetzlichen Gleichstellung der bayerischen Jüdinnen und Juden, zog sie mit ihrer Familie nach München und eröffnete einen Spitzenverkauf in ihrer Wohnung im Tal. Aus diesen bescheidenen Anfängen entwickelte sich bald ein fluorierendes Unternehmen. Rosa Klaubers Sohn wurde 1890 zum Königlich Bayerischen Hoflieferanten ernannt und in den 1920er Jahren eröffneten Rosas Enkel eine zweite Geschäftsfiliale am Marienplatz und eine hochmoderne Wäschefabrik auf dem Gelände des heutigen Kreativquartiers.

Das Spitzenhaus Rosa Klauber in der Theatinerstraße 35, 1909, Foto: © Stadtarchiv München

Nach der „Arisierung“ des Unternehmens und der Emigration der Familie Klauber geriet der Name „Rosa Klauber“ in München in Vergessenheit. Die Ausstellung im Studienraum des Jüdischen Museums München möchte ihn wieder in Erinnerung bringen. Dazu trägt auch die Gestaltung der Ausstellung bei. Der Entwurf von Szenographin Juliette Israël holt die historischen Schaufenster des Spitzenhauses zurück in die Münchner Innenstadt und zeigt darin aktuelle Spitzenmuster aus New York. Die Ausstellung versteht sich nicht nur als ein Fenster in die Vergangenheit, sondern möchte auch zeigen, wie ein heute vergessener Teil der Münchner Stadtgeschichte an einem anderen Ort erinnert und fortgeschrieben wird.

Die Ausstellung „Spitzenhaus Rosa Klauber“ ist bis Oktober 2021 im Studienraum des Jüdischen Museums München zu sehen. Weitere Informationen zur Ausstellung und die Begleitbroschüre finden Sie auf unserer Website.

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