Mit offenen Augen – Das diesjährige DOK.fest München@home hat begonnen

Filmstill aus „Das Zelig“, © Tanja Cummings

Vom 5. bis 23. Mai findet das 36. DOK.fest München statt. Das Festival bringt 131 Filme aus 43 Ländern direkt zu den Zuschauer*innen nach Hause auf die Leinwand. Auch das Jüdische Museum München zeigt in Kooperation mit dem Festival einen ausgewählten Film.

Eyes wide open – was für ein treffendes Motto. Am heutigen Mittwoch, den 5. Mai beginnt wieder das DOK.fest und es findet, wie schon im vergangenen Jahr, online auf der digitalen Leinwand statt. Bis in den März hinein hatten das Team rund um Daniel Sponsel noch gehofft ein duales Festival durchführen zu können. Endlich wieder in die Kinotheater dieser Stadt, endlich wieder mit Präsenzvorführungen und Filmgesprächen live und vor Ort. Aber dann zogen doch alle Verantwortlichen angesichts der Pandemieentwicklungen die Reißleine und nun also wieder digital von zu Hause aus. Das Angebot und die Möglichkeiten ganz in das Festival einzutauchen aber sind auch dieses Jahr wieder groß und im wahrsten Sinne barrierefrei: 131 Filme aus 43 Ländern bringt das Festival den Zuschauer*innen nach Hause. Insgesamt 90 Premieren, darunter 28 Weltpremieren. Das verspricht wunderbare 18 Tage für alle Filminteressierten und das DOK.fest München@home ermöglicht, dass der Mai wie im Fluge vergeht. Danach kommt endlich der Sommer. Bestimmt.

Auch das Jüdische Museum München zeigt wieder in Kooperation mit dem Festival einen ausgewählten Film unter der Rubrik Münchner Premieren. Dieses Jahr haben wir uns für den Film DAS ZELIG von Tanja Cummings entschieden. Ein Film, der einen besonderen Ort in dieser Stadt vorstellt: Das titelgebende Café Zelig, das seit 2016, getragen von der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, einen ganz besonderen Begegnungsort bedeutet. Vor der Corona-Pandemie trafen sich dort wöchentlich einst aus allen Teilen Europas stammende, meist hochbetagte Schoa-Überlebende für ein gemeinsames Miteinander, für Kaffee und Kuchen und ein vielfältiges kulturelles Programm. Der Film zeigt auf angenehm zurückhaltende Weise: Dort wird viel gelacht, gefeiert, gesungen, miteinander diskutiert und politisch gestritten. Ein lebendiger Ort ist dieses Café, das für viele auch ein Platz ist, an dem sie ihre Erinnerungen und Erlebnisse mit anderen teilen können, sie dadurch wachhalten und auch bewahren können, solange sie nicht zu schmerzhaft sind und lieber vergessen sein wollen.

Filmstill aus „Das Zelig“, © Tanja Cummings

Die Sprache des Films ist eine sehr zurückhaltende und erst allmählich beginnen die Portraitierten uns, den Betrachtenden, ihre Geschichte zugänglich zu machen. Wir begegnen ihnen in ihrem privaten Umfeld, sehen ihr Miteinander im Café Zelig und begleiteten einige von ihnen auch auf eine Reise in die Vergangenheit, an ihre Geburtsorte in Polen. Reisen voller schmerzhafter Erinnerungen und gezeichnet von Verlusten. Und doch ist diese Dokumentation kein „schwerer Film“, dafür sorgen nicht zuletzt die Protagonist*innen selbst, mit ihrer Lebenskraft, ihrem Humor und geistigem Reichtum. Dieser Film bleibt haften, gerade weil er wie ein „stiller Beobachter“ diesen alten Menschen und ihren Leben so viel Raum gibt und er ist ein Beleg für die besondere Kraft von Zeitzeugenschaft.

Ein Filmgespräch mit der Regisseurin Tanja Cummings, dem Psychoanalytiker und Initiator des Cafés Dr. Joram Ronel sowie weiteren Protagonist*innen des Films können Sie während der Laufzeit des Festivals kostenfrei ansehen. Alle Informationen zum Festival und Ticketverkauf unter www.dokfest-muenchen.de. Außerdem ist eine Vorführung in der Israelitischen Kultusgemeinde unter Teilnahme der Protagonist*innen des Films geplant sobald es die Corona-Maßnahmen wieder zulassen. Interessierte können sich dafür schon jetzt melden unter karten@ikg-m.de.

Doch jetzt erstmal Vorhang auf fürs DOK.fest München @home!

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