Kurz vorgestellt: Sharone Lifschitz „Speaking Germany“ an der Fassade des Jüdischen Museum München

Fassade des Jüdischen Museum München, Foto: privat, © Jüdisches Museum München.

Sind Ihnen schon mal die Zitate an unserer Museumsfassade aufgefallen? Zunächst als temporäre Intervention zur Museumseröffnung 2007 geplant, ist die Arbeit der Künstlerin Sharone Lifschitz heute nicht mehr von unserem Haus wegzudenken. Wir stellen Ihnen die kurz Arbeit vor.

2004 gewann Sharone Lifschitz mit ihrem Projektvorschlag „Speaking Germany“ den Kunst-am-Bau -Wettbewerb der Landeshauptstadt München. Mit „Sleeping Germany“ hatte die israelische Künstlerin, die mittlerweile in London lebt, bereits vier Jahre zuvor eine Arbeit in Deutschland realisiert. Im Dezember 2000 und Januar 2001 reiste sie kreuz und quer durch das deutsche Bahnnetz. Dreizehn Tage lang stieg sie zufällig von einem Zug in den nächsten, ohne dabei die Bahnhöfe zu verlassen. Im Zentrum von „Sleeping Germany“ standen die Menschen, denen Lifschitz auf ihrer Reise begegnete und die Gespräche mit ihnen.

„Speaking Germany“ schließt an diese vorangegangene Arbeit an. Diesmal wählte Lifschitz allerdings keine Orte des Transits wie Züge oder Bahnhöfe, sondern erkundete den Münchner Stadtraum.

Fassade des Jüdischen Museum München, Foto: privat, © Jüdisches Museum München.

Young Jewish woman visiting Germany would like to have a conversation about nothing in particular with anyone reading this.“

Diese Zeitungsannonce steht am Anfang von „Speaking Germany“. Von den beinahe 200 Menschen, die der Künstlerin antworteten, traf Lifschitz 45 Gesprächspartner*innen. Sie dokumentierte ihre Begegnungen mit Fotografien von den Tischen, an denen sie etwas gegessen oder getrunken hatten, und der Niederschrift ihrer Gespräche. Anders als in ihrem vorangegangenen Projekt „Sleeping Germany“ hob Lifschitz in der geschalteten Anzeige ihre jüdische Identität diesmal bewusst hervor. Und obwohl die Künstlerin laut Annonce über „nichts Spezielles“ sprechen wollte, kamen die meisten ihrer Gesprächspartner*innen an oft unerwarteten Punkten auf die komplexe Beziehung zwischen Jüdinnen und Juden und nicht-jüdischen Deutschen zu sprechen.

Fassade des Jüdischen Museum München, Foto: privat, © Jüdisches Museum München.

Ausschnitte aus diesen Gesprächen sind seit seiner Eröffnung 2007 an der Fassade des Jüdischen Museums München zu lesen. Eigentlich sollten die Zitate nach einem Jahr wieder verschwinden, dass sie dann doch geblieben sind, liegt auch daran, dass es Parallelen zwischen unserer Arbeit und der der Künstlerin gibt.

Immer wieder bleiben Menschen vor dem Museum stehen und fangen an zu lesen. Im Vorbeigehen verwickelt sie die Schrift am Gebäude in ein Gespräch, wirft eine Frage auf, sorgt für Irritation. Denkräume zu eröffnen und zu zeigen, dass es auf Fragen oft mehr als eine Antwort gibt, wollen auch wir mit unseren Ausstellungen und Vermittlungsangeboten erreichen.

Bleibt noch zu fragen: Was denken Sie über unsere gesprächige Fassade?

Fassade des Jüdischen Museum München, Foto: privat,
© Jüdisches Museum München.

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