Landauer, der Rückkehrer (3/3)

Kurt Landauers Briefe geben uns Einblick in sein Leben im Exil und die Gründe seiner Rückkehr. Foto: © Franz Kimmel.

Acht Jahre verbrachte Kurt Landauer im Exil in der Schweiz. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft war er von den Nationalsozialisten verfolgt worden, vier seiner Geschwister sind in der Schoa ermordet worden. Dennoch kehrte Landauer im Juni 1947 nach Deutschland zurück. Nicht nur seine Verbundenheit zum FC Bayern München bewegte ihn zu diesem Schritt.

Teil 2 der Serie, Landauer, der als Jude verfolgte, hier.

Im Januar 1945 beendete Kurt Landauer in Genf einen über siebzigseitigen Brief an seine spätere Frau Maria Baumann. Baumann hatte ab 1927 als Angestellte im Haushalt von Landauer und seiner Mutter gelebt, später zusammen mit ihm und seinem Bruder Paul. Nachdem Kurt Landauer im Mai 1939 in die Schweiz ausgereist war, hatte Maria Baumann dessen Geschwister unterstützt und Briefkontakt nach Genf gehalten.

Kurt Landauer und Maria Baumann. Foto: © Franz Kimmel.

Der Brief, den Landauer im Januar 1945 beendete, ist ein ausführlicher Rückblick auf seine Jahre im Exil und sein Leben davor. Obwohl der Krieg noch nicht beendet war, macht sich Landauer darin Gedanken über seine Rückkehr nach München – und zu Maria Baumann. Zu diesem Zeitpunkt wusste er bereits, dass seine Brüder Leo, Paul und Franz sowie Schwester Tilly von den Nationalsozialisten ermordet worden waren, ihm selbst war die Staatsbürgerschaft entzogen worden. Dennoch schreibt Landauer: „Ich habe mein München geliebt und habe es – und werde es – nie vergessen.“ (Landauer an Baumann, 30.01.1945)

Auch der Mangel an Alternativen bewegte Kurt Landauer zur Rückkehr nach München. In der Schweiz gab es keine Zukunft für Geflüchtete: Bereits im Februar 1945 beriet sich die für Asylfragen zuständige Fremdenpolizei mit Vertreterinnen und Vertretern internationaler Hilfswerke über die Rück- bzw. Weiterwanderung der aufgenommenen Asylsuchenden – ihr dauerhafter Aufenthalt in der Schweiz war nicht vorgesehen. Landauer, der seine Zeit in Genf isoliert und mittellos verbracht hatte, wollte auch gar nicht bleiben. Eine Emigration nach Palästina, wo seine Schwester Henny lebte, oder zu Bekannten in die USA schloss er ebenfalls aus, immerhin war Landauer über 60 Jahre alt.

Für die Ausreise aus der Schweiz beantragte Kurt Landauer bereits im Mai 1946 einen Ausweis. Seine geplante Ausreise verzögerte sich um ein Jahr. Foto: © Schweizerisches Bundesarchiv E4264#1988/2#20660*, Az. P058802, LANDAUER, KURT, 27.08.1884, 1945–1947.

Im Juni 1947 kehrte Kurt Landauer nach München zurück. Die Beschaffung einer Einreisebewilligung und die Suche nach einer Wohnung im zu großen Teilen zerstörten München hatten seine Rückkehr verzögert. Zusammen mit Maria Baumann bezog er eine Wohnung in der Virchowstraße, die beiden heirateten 1955. Auch zum FC Bayern München fand Landauer kurz nach seiner Rückkehr zurück: Am 19. August 1947 wurde Kurt Landauer erneut zum Präsidenten gewählt.

Als wiedergewählter Präsident setzte sich Kurt Landauer für ein neues Trainingsgelände ein und zeigte sich diplomatisch im Umgang mit den alliierten Behörden, die den deutschen Sportvereinen zunächst misstrauisch gegenüberstanden. Mit Landauer an seiner Spitze konnte der FC Bayern München ihnen gegenüber glaubhaft machen, dass der Verein um seine Entnazifizierung bemüht war. Dabei zeigten sich Landauer und der ebenfalls wiedergewählte Vizepräsident Siegfried Herrmann alles andere als streng im Umgang mit den Vereinskollegen: Auch ehemalige NSDAP-Mitglieder durften in den Verein zurückkommen.

Kurt Landauer blieb bis 1951 Präsident des FC Bayern München und wurde später Ehrenmitglied. Er starb am 21. Dezember 1961 in München und wurde auf dem Neuen Israelitischen Friedhof beerdigt.

Die im Mai 2019 zu Ehren des früheren Vereinspräsidenten enthüllte Statue Kurt Landauers überblickt das Trainingsgelände an der Säbener Straße, für das er sich nach seiner Rückkehr eingesetzt hat. Foto: © FC Bayern München

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