Landauer, der als Jude Verfolgte (2/3)

Kurt Landauers Reisepass wurde von den Behörden als „jüdisch“ gekennzeichnet. Für seine Einreise in die Schweiz galten damit besondere Einschränkungen. Foto: © Schweizerisches Bundesarchiv E4264#1988/2#20660*, Az. P058802, LANDAUER, KURT, 27.08.1884, 1945–1947.

1932 hat Kurt Landauer den FC Bayern München als Präsident zur ersten Deutschen Meisterschaft geführt. Ein Jahr später musste er sein Amt als Präsident niederlegen. Mit der politischen Machtübergabe an die Nationalsozialisten wurde die Fußballarena genau wie das übrige öffentliche Leben zum Austragungsort von Ausgrenzung und Verfolgung. 1939 blieb Landauer nur noch der Weg ins Exil.

Teil 1 der Serie, Landauer, der Fußballer und Präsident bis 1933, hier.

Am 22. März 1933 gab Kurt Landauer sein Amt als Präsident des FC Bayern München ab. In der Clubzeitung des Vereins ist zu lesen: „Im Interesse des Clubs, dessen Wohlergehen ihm nach wie vor am Herzen liege, glaube er, diesen Schritt unbedingt tun zu müssen.“ (Clubzeitung des FC Bayern München e.V., März / April 1933)

Landauer kam mit seinem Rücktritt einer erzwungenen Absetzung zuvor. Am 1. April 1933 rief die nationalsozialistische Regierung zu einem reichsweiten Boykott jüdischer Geschäfte und Einrichtungen auf, bei dem es auch in München zu Ausschreitungen gegen jüdische Gewerbetreibende kam. Mit dem „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ begann wenige Tage später die systematische Verdrängung aller als Juden und Jüdinnen Verfolgter aus dem öffentlichen Leben.

Die süddeutschen Fußballclubs, unter ihnen auch der FC Bayern München, bekannten sich umgehend zu der neuen Regierung und verkündeten in einer am 9. April unterzeichneten Erklärung, dass sie bereit seien, alle „jüdischen Mitglieder“ aus ihren Vereinen auszuschließen. Auch im Fußball wurden Religionszugehörigkeit und kulturelle Herkunft zu Ausschlusskriterien.

Nicht nur im Verein verlor Kurt Landauer alles, sondern auch beruflich und privat. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft wurde er von seinem Posten als Anzeigenleiter bei den „Münchner Neuesten Nachrichten“ entlassen. Er versuchte seinen Lebensunterhalt als Versicherungsvertreter zu verdienen und kam 1935 in der Wäschefabrik Rosa Klauber unter. Die Anstellung endete mit der „Arisierung“ des Unternehmens und der Vertreibung seiner Inhaber. Landauer wurde nach dem Pogrom am 9. November 1938 im Konzentrationslager Dachau inhaftiert und vier Wochen festgehalten, im Mai 1939 flüchtete er schließlich in die Schweiz.

Am 17. Mai 1939 überquerte Kurt Landauer im Grenzort St. Margrethen die Schweizerische Grenze. Wie die Eintragung in seinem Reisepass zeigt, erteilte ihm das Schweizerische Generalkonsulat zunächst nur die Bewilligung für einen dreimonatigen Aufenthalt. Foto: © Schweizerisches Bundesarchiv E4264#1988/2#20660*, Az. P058802, LANDAUER, KURT, 27.08.1884, 1945–1947.

Kurt Landauer verbrachte acht Jahre im Exil in Genf. In dieser Zeit schrieb er Briefe, in denen er seinen eintönigen Alltag schildert. Da Geflüchtete in der Schweiz nicht arbeiten durften, lebte Landauer von der Unterstützung der Familie Klauber. Maria Klopfer, eine geborene Klauber und langjährige Freundin, lebte mit ihren Eltern ebenfalls in Genf, ihre Brüder waren in die USA ausgewandert.

In der Schweiz erfuhr Kurt Landauer von der Deportation und Ermordung seiner Geschwister Gabriele, Leo, Paul und Franz sowie dessen Frau Tilly. Nur Kurt Landauer und seine jüngste Schwester Henny überlebten die Schoa.

Diese von Hand zugeschnittene Visitenkarte gehörte ursprünglich Kurt Landauers Bruder Paul. Landauer beschriftete die Rückseite mit seiner Genfer Adresse und benutzte sie im Exil. Dr. Paul Landauer wurde im November 1941 nach Kaunas deportiert und von den Nationalsozialisten ermordet. Foto: © JMM.

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