Recherche im Bierkeller von Kaltenberg – Spuren der Vergangenheit

Im alten Kellergewölbe der Brauerei sind etliche originale Bier-Lagerfässer aus Josef Schüleins Zeiten gelagert.

Das Jüdische Museum München wird dem 500-jährigen Jubiläum des Bayerischen Reinheitsgebots eine Ausstellung – „Bier ist der Wein dieses Landes“ – widmen, die ab 12. April 2016 zu besichtigen sein wird. Dabei dreht sich alles rund um das Thema Hopfen und Bier im Kontext der jüdischen Kulturgeschichte. Unsere damit verbundene Suche nach schönen und geeigneten Exponaten führte uns dieser Tage auf das westlich von München gelegene Schloss Kaltenberg.

Dort wurden wir nebst ausgesprochen freundlichem Empfang nicht nur fündig, sondern von Seiner Königlichen Hoheit Prinz Luitpold von Bayern persönlich durch die Gemäuer und Keller der Brauerei geführt. Ist die König Ludwig Schlossbrauerei Kaltenberg sonst primär für ihr gutes Bier und ganz besonders natürlich für das jährlich stattfindende Mittelalterfest mit krönendem Ritterturnier (bald ist es übrigens wieder soweit: 10-26. Juli, jeweils Fr., Sa. und So.) bekannt, hatten wir andere, wenn auch nicht weniger spannende Gründe, das Schloss zu besuchen.

Ehe das Anwesen 1954 an das Haus Wittelsbach verkauft wurde, war Schloss Kaltenberg mitsamt seiner kleinen Brauerei Teil des von Josef Schülein (1854-1938) und seinem Sohn Hermann (1884-1970) konsequent aufgebauten Bierimperiums. Nach der Errichtung der  Unionsbrauerei Schülein & Co. im Jahr 1895 ging es durch die Übernahmen diverser kleinerer Brauereien rasant aufwärts und gipfelte in der Fusion mit der Löwenbräu AG 1921. Das Unternehmen wurde zu einem der erfolgreichsten seiner Zeit.

Doch zurück zu Schloss Kaltenberg: Noch vor Ende des Ersten Weltkriegs, im Jahr 1916, kaufte Josef Schülein das Anwesen nahm als „Spielerei“ die Brauerei in Betrieb (seine „Spielerei“ sorgte für Bierlieferungen an alle umliegenden Wirtschaften) und nutzte das Gut auch als Alterssitz, bis er 1938 hochbetagt starb. 1939 wurde es von den Nazis enteignet und für das „Braune Band“ (nationalsozialistische Pferderennen) benützt. Erst 1949 gelangte es nach langwierigen Verhandlungen zurück in den Besitz der Familie Schülein, die es 1954 an das Haus Wittelsbach verkaufte. Seit 1976 führt SKH Prinz Luitpold von Bayern erfolgreich Schloss und Brauerei.
Aus der Ära der Schüleins als Brauherren auf Kaltenberg haben sich Erinnerungsstücke erhalten, von denen das eine oder andere als Leihgabe in unserer Ausstellung zu sehen sein wird.

SKH Prinz Luitpold von Bayern und Bernhard Purin, Direktor des Jüdischen Museums München, in der Mitte eine bronzene Büste von Josef Schülein, platziert auf einem Originalfass der Unionsbrauerei.

Die Schülein-Büste ist nur einer der Schätze, die wir auf dem Schloss entdeckt haben, dafür aber ein ganz besonderer: Sie ist nicht nur sehr schön gearbeitet und gut erhalten, ein näherer Blick barg außerdem eine handfeste Überraschung hinsichtlich des Künstlers, der dieses Brustbild erschaffen hat. Mehr dazu verraten wir nächstes Jahr in der Ausstellung!

Eine Überraschung anderer Art bot das Kellergewölbe: Neben einem besonderen Fass mit Zierdeckel, das Josef Schülein 1934 zu seinem 80. Geburtstag geschenkt bekam, stapeln sich dort Originalfässer der Unionsbrauerei, unbewegt seit langer Zeit – und leider auch unbeweglich. Ein einziges dieser Lagerfässer kann etwa 50 Hektoliter Bier aufnehmen; zwar sehr beeindruckend, aber unmöglich in irgendeine andere Lage zu versetzen, als die, in der sie nun einmal sind. Zu groß, zu schwer, zu sperrig. SKH Prinz Luitpold von Bayern meinte dazu nur, hierfür müsse man wohl ein Loch in die Kellerwand brechen…

Enttäuschung kam dennoch nicht auf, da sich noch viele andere Dinge wie beispielsweise ein futuristisch anmutendes Flaschenabfüllgerät, inklusive Flaschen, entdecken ließen.

Dank des freundlichen Entgegenkommens SKH Prinz Luitpold von Bayern war Schloss Kaltenberg nicht nur sehr sehenswert, sondern für unsere Recherche auch ausgesprochen ertragreich, wie Sie spätestens ab 12. April 2016 in der Ausstellung „Bier ist der Wein dieses Landes“ selbst feststellen können.

Und wer weiß, vielleicht bewegt sich so ein Lagerfass bis dahin ja doch noch…?

Lilian Harlander, Wissenschaftliche Volontärin

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