Vier Tage in Polen

Stell dir vor, du bist Museumspädagoge in einem Museum, dessen Gebäude zwar bereits für die Öffentlichkeit zugänglich ist, das aber noch keine Dauerausstellung beherbergt. Vor diese Herausforderung sehen sich zur Zeit die Kolleginnen und Kollegen des Museums für die Geschichte der polnischen Juden in Warschau gestellt, dessen Dauerausstellung erst 2014 eröffnen soll. Interessante Diskussionen über diese Herausforderung entwickelten sich im Oktober, als sich annähernd 20 pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von europäischen jüdischen Museen in Warschau trafen, um am Educators‘ Training Programme der Association of European Jewish Museums (AEJM) teilzunehmen.

Vier Tage lang gab es zahlreiche Gelegenheiten, sich während der Workshops, Exkursionen und Kaffeepausen auszutauschen und von und mit Kolleginnen und Kollegen aus England, Österreich, der Ukraine, Polen, Norwegen, Frankreich und Deutschland zu lernen.

Am ersten Tagungstag machte uns ein Rundgang durch das Stadtviertel, in dem das Museum sich befindet, mit der Lage und Geschichte des Warschauer Ghettos bekannt. In das Straßenpflaster eingelassene Markierungen zeichnen den Verlauf der Ghetto-Begrenzungen nach.

Direkt gegenüber vom Museum befindet sich das berühmte Ehrenmal, das an den Ghetto-Aufstand 1943 erinnert. Die Einbeziehung der historischen Orte in die Vermittlungsangebote des Museums für die Geschichte der polnischen Juden diskutierten wir während eines Workshops am Beispiel von Janusz Korczak, dessen Pädagogik als Leitfaden für die Museumspädagogik dient.

Während einer Exkursion nach Lodz besuchten wir gemeinsam mit der Leiterin des Marek Edelman Dialogue Centre den Neuen Jüdischen Friedhof, der mit über 180 000 Grabsteinen der größte jüdische Friedhof in Europa ist.

Auch in Lodz wurde die jüdische Bevölkerung während des Zweiten Weltkriegs in ein Ghetto gezwungen. Ein Mahnmal am ehemaligen Bahnhof Radegast erinnert heute an die Deportationszüge, die vom Ghetto Litzmannstadt in die Konzentrations- und Vernichtungslager fuhren.

In Lodz besuchten wir das Kunstmuseum Muzeum Sztuki, das sich nicht schwerpunktmäßig mit jüdischer Geschichte, Kultur und Religion beschäftigt, dessen KunstvermittlerInnen uns jedoch mit Ideen für die Einbeziehung von Kunst in unsere Vermittlungsarbeit beeindruckten.

Viel diskutiert über Kunst und ihre Wirkung wurde auch am letzten Tag, als wir in der Ausstellung „Polnische Kunst und der Holocaust“ im Emanuel Ringelblum Jewish Historical Institute in kleinen Gruppen Vermittlungsangebote für verschiedene Zielgruppen konzipierten.

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