Ein Badehaus als Begegnungstätte

Bis zum 17. Juni war die Ausstellung Juden 45/90. Von da und dort – Überlebende aus Osteuropa im Jüdischen Museum München zu sehen, in der die Geschichte der jüdischen Displaced Persons auf zwei Ausstellungsebenen gezeigt wurde. Vielleicht wird es bald in Waldram eine Fortsetzung der Geschichte der DPs geben.

Waldram hieß früher Föhrenwald und nach der Schoa bis 1957 lebten in der kleinen Siedlung bei Wolfratshausen jüdische Displaced Persons. Kurz nach Ende der Schoa kam es in München und Umgebung zu der Situation, dass hier für kurze Zeit mehr Jüdinnen und Juden lebten als jemals zuvor in der Geschichte. Lebten vor 1933 knapp 10.000 Jüdinnen und Juden in München, schätzt man die Zahl jener osteuropäischen Schoa-Überlebenden, für die München zur Durchgangsstation und manchmal auch zur neuen Heimat wurde, auf bis zu 150.000. Zu den Lagern, in denen die sogenannten DPs in dieser Zeit untergebracht waren, zählte auch Föhrenwald.
Bereits vor der Ausstellung hatte der Historische Verein Wolfratshausen einige Objekte zusammen getragen, die noch aus der Zeit des Displaced Persons Lagers stammten und dem Jüdischen Museum für die Ausstellung Von da und dort zur Verfügung gestellt.
Mittlerweile hat der Verein ein neues Projekt: das sogenannte Badehaus am Waldramer Kolpingplatz. Der Verein möchte das Haus vor dem Abriss bewahren und es in eine Begegnungsstätte mit Dokumentationszentrum umbauen lassen. Da in diesem Haus auch jüdische Geschichte statt fand – während der Zeit des Lager Föhrenwalds nutzten jüdische DPs dieses Gebäude – lud der Historische Verein Wolfratshausen am vergangenen Montag Fachpersonal des Jüdischen Museums Münchens und der Landesstelle für nichtstaatliche Museen in Bayern zu einer Begehung ein. Zu Zeiten des Lager Föhrenwalds hieß der Kolpingplatz Independence Place und um den Platz befanden sich ein Kiosk, ein koscheres Lokal und möglicherweise auch eine Mikwe.
Für die Sanierung und den Unterhalt des Badehauses soll in den nächsten Wochen ein Föderverein gegründet werden. Wenn alles gut läuft, wird in Waldram die wechselvolle Geschichte der jüdischen Displaced Persons bald seine Fortsetzung finden.

Fotos: © Bernhard Purin

Aktuelle Ausstellung:
Juden 45/90. Von ganz weit weg – Einwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion
11. Juli 2012 bis 27. Januar 2013

2 Antworten zu “Ein Badehaus als Begegnungstätte”

  1. Jens sagt:

    Geschichte lebt! Tolle Ausstellung! Weniger macht mehr!

  2. Inzwischen wurde der Verein „Bürger fürs BADEHAUS Waldram-Föhrenwald“ gegründet, um im ehemaligen Badehaus am Independence Place (heute Kolpingplatz) einen Ort der Begegnung und Dokumentation aufzubauen. Nähere Informationen zu diesem ehrenamtlichen Erinnerungsprojekt unter http://www.BadehausWaldram.de

    Wir bitten um Unterstützung – sei es in Form von Spenden, Mitgliedschaft oder ehrenamtlicher Mitarbeit.

    Als Pilotprojekt ist z.Z. unsere erste Ausstellung zu sehen: „Die Kinder vom Lager Föhrenwald“. Diese historische Fotodokumentation ist bis zum 21.12.12 und vom 13.1. bis 31.1.13 im Maierhof des Klosters Benediktbeuern, Michael-Ötschmann-Weg 4, zu sehen. Öffnungszeiten: Di & Do 13-17 Uhr und So 11-16 Uhr

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