Kinderjahre

Stefan Hunstein musste bestimmt länger üben, um beispielsweise „Lokschn mit Joach“– der jiddische Ausdruck für Nudelsuppe – richtig zu intonieren. In seinem autobiographischen Buch „Kinderjahre im Displaced-Persons-Lager Föhrenwald“ versucht Beno Salamander einer jungen Novizin zu erklären, was er zuhause isst und übersetzt „Nudeln mit Jauche.“ Das Publikum bricht in Gelächter aus.

Am Montagabend platzte das Foyer des Jüdischen Museums aus allen Nähten. Über 180 Personen wollten die vom Schauspieler Stefan Hunstein lebhaft vorgetragene Lebensgeschichte des kleinen Beno im DP-Camp Föhrenwald hören. Der Autor selbst saß während der Lesung im Publikum und signierte nach der Lesung begeisterten Zuhörern die erstandenen Bücher. Aus der Perspektive eines Kindes erzählt das Buch über das Alltagsleben der jüdischen Displaced Persons, über Entbehrungen und eine ungewisse Zukunft. Es erzählt aber auch die Geschichte einer Kindheit im Münchner Umland, und über Dinge, die in der Lebenswelt eines kleinen Jungen in den 1950er Jahre sehr wichtig waren, beispielsweise die Fußballweltmeisterschaft 1954.

In der Ausstellung Juden 45/90 – Von da und dort. Überlebende aus Osteuropa kann man einen Teil der Objekte ansehen, von denen Beno Salamander in seinem Büchlein spricht, beispielsweise die handcolorierte Portraitzeichnung, die Benos Eltern zu seiner Geburt von ihm anfertigen ließen.

Das Buch Kinderjahre im Displaced-Persons-Lager Föhrenwald kann in der Literaturhandlung im Jüdischen Museum erworben werden.

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